Chefchaouen

Chefchaouen

Impressionen - Foto: Wikipedia - Autor: El Pantera - Lizenz: s.u.




Übersicht

Chefchaouen

Blaue Stufen in der Medina - Foto: Wikipedia - Autor: Adrian Farwell - Lizenz: s.u.



Chefchaouen
ist eine Kleinstadt in Nordmarokko, etwa 40 Kilometer südlich der Stadt Tétouan. Die Stadt wird auch oft nur als Chaouen (spanisch: Xauen) bezeichnet und besitzt etwa 45.000 Einwohner. Chefchaouen liegt an den östlichen Ausläufern des Rif-Gebirges und hat auch im heißesten Sommer angenehme Temperaturen vorzuweisen. Die Namensgebung bezieht sich auf die zwei Bergspitzen „Die Hörner“, welche von der Stadt aus zu sehen sind. Chefchaouen ist auch bekannt für die vielen in Blautönen bemalten Gebäude. Zusammen mit anderen Regionen des Mittelmeerraumes ist die traditionsreiche Küche der Stadt im Jahr 2013 als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO anerkannt worden.

 

Map Chefchaouen



Lage

Chefchaouen

Andalusische Moschee in Chefchaouen - Foto: Wikipedia - Autor: YoTuT - Lizenz: s.u.


Die Stadt ist der Hauptort der Provinz gleichen Namens in der Region Tanger-Tétouan-Al Hoceïma. Die im Norden Marokkos gelegene Provinz Chefchaouen verfügt über etwa 120 Kilometer Mittelmeerküste. Sie grenzt im Süden an die Provinz Taounate, im Südosten an die Provinz Al Hoceima, im Nordwesten an die Provinz Tetouan, im Westen an die Provinz Larache, im Südwesten an die Provinz Ouezzane und im Nordosten an das Mittelmeer. Chefchaouen liegt im nordwestlichen Rif-Gebirge in einer Höhe von etwa 560 bis 600 m ü. d. M. und etwa 62 Kilometer (Fahrtstrecke) südlich von Tétouan bzw. etwa 112 Kilometer südöstlich von Tanger. Für marokkanische Verhältnisse ist das Klima gemäßigt und regenreich.


 

Geschichte

Chefchaouen

Hammam - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Die Stadt wurde im Jahre 1471 von Moulay Ali Ben Moussa Ben Rached El Alami (ein Nachkomme von Idris I,) gegründet. Eine kleine Festung, die bis heute noch existiert, stammt aus dieser Zeit. Die Festung wurde als Bastion gegen die Expansion der Portugiesen (15. Jahrhundert) in diesem Gebiet errichtet. Zusammen mit den Stämmen der Ghomara in der Region ließen sich auch viele Flüchtlinge aus Andalusien (Spanien) zusammen mit den ebenfalls vertriebenen Juden hier nieder. Die Araber aus Andalusien (Mauren) flohen während und nach der spanischen Reconquista (kastilisch: Rückeroberung) im Mittelalter. Die Flüchtlinge verteilten sich damals über den gesamten nordafrikanischen Raum.


 

Isabella von Kastilien und Léon

Königin von Spanien (1451 - 1504) - Museo de Real Academia de la Historia, Madrid - Maler: Juan de Flandes (etwa 1460 - 1519) - Bildquelle: Wikipedia (Public domain)


Mit dem sogenannten Alhambra-Edikt, in dem die Vertreibung der Juden aus allen Territorien der spanischen Krone zum 31. Juli des Jahres 1492 angeordnet wurde, verlor Spanien einen großen Teil seiner ehemaligen Handelsbeziehungen mit den Ländern Afrikas. Dies bedingte einen gewißen Niedergang der spanischen Wirtschaft und die Katholischen Könige - Ferdinand II. und Isabella I. - setzten von nun an auf den Erfolg von Christoph Kolumbus, den sie mit einer Expedition zur Erkundung des Seewegs nach Indien betrauten. Dieser brach am 3. August 1492 zu seiner großen Entdeckungsreise auf, in deren Verlauf er Teile Amerikas entdeckte.


 

Chefchaouen

Kasbah und Uta el-Hammam Platz - Foto: Wikipedia - Autor: Jerzystrzelecki - Lizenz: s.u.


Chefchaouen galt über Jahrhunderte als heilige Stadt, die Ausländern unter Androhung der Todesstrafe versperrt war. Dies hat u.a. dazu beigetragen, dass ihre mittelalterliche Architektur erhalten blieb. Der Beginn des spanischen Protektorats wird auf das Jahr 1912 datiert. Spanische Truppen setzten die Öffnung Chefchaouens durch, als sie Nordmarokko unter ihre Kontrolle zwingen wollten. Ein Protektorat sollte entstehen, welches bereits 1906 auf der Algeciras-Konferenz kodifiziert wurde. Als die spanischen Protektoratstruppen nach Chefchaouen kamen, hatte die Stadt eine erheblich sephardisch jüdische Bevölkerung, welche judeoespañol sprach.


 

Spanisch-Marokko

Karte von Spanisch-Marokko mit der Exklave Tanger, um 1955. - eingebunden über Wikimedia Commons

Abd el-Krim

Mohammed Abd el-Krim (1882 - 1963)

Foto: Wikipedia (Public domain)


Die Stadt war sodann Hauptbasis der spanischen Protektoratsarmee. Es gab allerdings auch die Widerstände gegen die Expansionspolitik der Spanier und Franzosen. Abd el-Krim war Anführer im Aufstand der Rifkabylen gegen spanische und französische Kolonialtruppen in der Rif-Region Spanisch-Marokkos. Spanische Truppen verhafteten Abd el-Krim und inhaftierten ihn in der Kasbah von 1916 bis 1917. 1926 wurde Abd el-Krim zur französischen Insel Réunion deportiert- er starb 1963 in Kairo. Spanien gab die Stadt nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 wieder zurück. Wie in anderen Städten im Bereich des ehemaligen spanischen Protektorates ist auch in Xauen kastilisch noch verbreitet.


 

Chefchaouen

Turm der Kasbah - Foto: Wikipedia - Autor: Adrian Farwell - Lizenz: s.u.


Die Einwanderung von Mauren und Juden nach Nordafrika und in die Gebiete der Stadt Chefchaouen prägt auch heute noch die schöne Architektur der Altstadt. Wie in andalusischen Dörfern gibt es kleine Gassen zwischen weiß getünchten Häusern und unregelmäßige Abgrenzungen, häufig mit Schattierungen von Blau. Chefchaouen wurde in einem kleinen Tal errichtet und die Altstadt erstreckt sich bergauf. Auf den Anhöhen in dieser Richtung befinden sich die Quellen von Ras al-Ma und die restaurierte Moschee Jemaa Bouzafar. Das Stadtzentrum bilden die Plaza Uta al-Hammam mit der Alcazaba. Die Moschee der Andalusier hat nur ein Minarett und einen achteckigen Grundriss. Die neue Stadt wurde unterhalb der Altstadt (Medina) von Chefchaouen gebaut [1].


 


Landwirtschaft

Chefchaouen

Chefchaouen - Impressionen - Foto: Wikipedia - Autor: cat_collector - Lizenz: s.u.


Die Landwirtschaft in der Provinz Chefchaouen ist die wichtigste Ressource seiner Bewohner. Hier sind etwa 85 % der Bevölkerung beschäftigt. Dieser Sektor hat jedoch mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Boden ist nur bedingt fruchtbar und die Landwirte kämpfen seit Jahrzehnten mit einer fortschreitenden Erosion des Bodens aufgrund einer morphologisch, fragilen Natur in dieser Gegend, die u.a. durch das Klima und die Topographie verursacht werden. Die Provinz Chefchaouen steht an sechster Stelle in der Produktion von Olivenöl in Marokko. Auf einer Fläche von etwa 32.000 Hektar, von der nur ca. 15.000 Hektar produktiv bearbeitet werden können, sind Olivenbäume angepflanzt worden. Die Olivenölproduktion beträgt etwa 15.000 Tonnen pro Jahr, wovon etwa 70 % durch eine moderne Ölmühle produziert werden, der Rest verteilt sich auf mehr als 1.500 handwerkliche Betriebe, deren Ölpressen sich oft noch im Familienbesitz befinden.


 

...kleiner See in der Umgebung von Chefchaouen - Foto: Wikipedia - Autor: Barhoun Fatima - Lizenz: s.u.


Ein Teil des Aufkommens wird für die Lebensmittelindustrie in Italien erzeugt. Das zweite Standbein der Landwirtschaft stützt sich auf die Viehaltung in der Provinz Chefchaouen. Nach einer Statistik aus dem Jahr 2000 wurde folgende Größenordnung an Nutztieren gezählt: etwa 280.000 Ziegen, ca. 90.000 Schafe - darunter Lämmer, Widder und Hammel - und nicht zuletzt ein Bestand von etwa 70.000 Rindern. Ziegen passen sich am leichtesten der schwierigen, bergigen Umgebung an. Diese Tierart stellt aber leider auch eine kontinuierliche Bedrohung für die Natur dar, weil sie durch ihre große Verbreitung in diesem Gebiet (auch in anderen Gegenden Marokkos) zur Abholzung beitragen. Die fortschreitende Erosion kann so nicht gestoppt werden. Der marokkanische Staat fördert die Landwirtschaft durchen den Bau von Zuchtzentren und unterstützt die Bauern bei der Produktion von Fleisch und Milch.


 

Chefchaouen

Blick vom Tal auf die Stadt - Foto: Wikipedia - Autor: Gabi - Lizenz: s.u.


Das dritte Standbein ist die Forstwirtschaft, denn die Provinz Chefchaouen besitzt große Ressourcen an Wald. Die Größe der Waldgebiete wird auf 175.000 Hektar geschätzt, was etwa 41% der Gesamtfläche der Provinz gleichkommt. Dies ist auch eine bedeutende wirtschaftliche Ressource für die ländliche Bevölkerung. Hier wachsen u.a. eine Vielzahl von Baumarten, darunter die Eiche, die Kiefer, die Zeder und auch die maritime Korkeiche, wie sie auch in der tunesischen Provinz Tabarca (Kroumirie) vorkommt. Zu den weiteren Baumarten zählt insbesondere die sogenannte „Spanische Tanne“ (lateinisch: Abies pinsapo), eine Kiefernart. Das Vorkommen dieser Baumart ist auf dem afrikanischen Kontinent nur auf diese Provinz beschränkt. Auch Marokko ist sich der Verantwortung hinsichtlich des Walderbes bewußt, es wird viel Wert auf die Sicherung und die Entwicklung diese Gebietes gelegt, auch um auf diese Weise der Erosion Einhalt zu gebieten.


 

Tourismus

Chefchaouen

Wasserfall - Foto: Wikipedia - Autor: YoTuT - Lizenz: s.u.


Die Provinz Chefchaouen besitzt auf dem Gebiet des Tourismus noch erhebliches ausbaufähiges Potenzial, um Besucher in diese wunderschöne Gegend zu locken. Zur Zeit besteht in den wärmeren Jaheszeiten eine Art Tagestourismus von Besuchern aus Spanien, auch Touristen, die eine mehrtägige Tour durch den Norden Marokkos mit dem Besuch der Stadt Tanger planen. Im Sommer sind auch viele Einheimische zu sehen, die die kühleren Temperaturen in dieser Berggegend - 570 Meter NN - zu schätzen wissen. Die Stadt selbst verfügt über mehrere historische Gebäude und außerhalb der City findet man ausgedehnte Wälder mit einer vielfältigen Fauna und Flora.


 

Chefchaouen, Morocco (5409520277) (4)

Village Chefchaouen, Marokko - Blick auf die Medina - eingebunden über Wikimedia Commons


Chefchaouen

Garten in der Kasbah - Foto: Wikipedia - Autor: HAJJI Youssef - Lizenz: s.u.


Die gesamte Altstadt mit ihren reizvollen engen Gassen, kleinen Plätzen, blau- und weißgetünchten Häusern lädt zum Spazieren ein. Die blaue Farbe soll angeblich vor dem Bösen Blick schützen. Die aus Stampflehm erbaute Alcazaba mit ihrem Garten kann besichtigt werden. Ihre Räume beherbergen einige Ausstellungsstücke zur Geschichte und Kultur der Stadt. Etwa 1,5 Kilometer außerhalb und ca. 150 Meter oberhalb des Ortes liegt die inzwischen restaurierte Moschee Jamaa Bouzzafer, die während des Rifkabylen-Aufstands entstand und hauptsächlich als Versteck und Beobachtungsposten diente. Von hier bieten sich schöne Blicke auf die Stadt.


 

Chefchaouen

Blick auf die Stadt mit dem Minarett im andalisischen Stil - Foto: Wikipedia - Autor: cat_collector - Lizenz: s.u.


Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Chefchaouen und der näheren Umgebung zählen u.a. die Quelle (Ras el Maa) östlich der Medina, auch ein Treffpunkt für die Anwohner, die Medina (Altstadt) und die Kasbah. Weiterhin sehenswert die Cherafat Moschee, der Talassemtane Wald und die Höhle Toughoubit. Die touristische Infrastruktur besteht aus mehreren Hotels (u.a. Hôtel Atlas Chaouen - 3-Sterne-Hotel; Hotel Parador - 4-Sterne-Hotel; Hotel Dar Echchaouen - 4-Sterne-Hotel), wovon vier klassifiziert und in der Stadt konzentriert sind. Weiterhin ist auch ein städtischer Campingplatz vorhanden. Es gibt zahlreiche Cafés, einige Restaurants und auch ein Bazar ist vorhanden. Die wachsende Tourismusindustrie ist besonders auf spanische Touristen ausgerichtet, die hier besonders zahlreich sind während der großen katholischen Feiertage wie der Semana Santa und dem Weihnachtsfest.

Weitere Informationen zur schönen Kleinstadt Chefchaouen in Nordmarokko finden Sie hier....!


 

Quellenangabe:


1.: Die Informationen zur Geschichte von Chefchaouen basieren auf dem Artikel Chefchaouen (29.06.2015) und stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Die Fotodateien "Chefchaouen - Autor: El Pantera" - "Wasserfall; Andalusische Moschee in Chefchaouen; (2 Fotos) - Autor: YoTuT" - "Kasbah und Uta el-Hammam Platz - Autor: Jerzystrzelecki" - "Blick vom Tal auf die Stadt - Autor: Gabi" - "Impressionen; Blick auf die Stadt; (2 Fotos) - Autor: cat_collector" - "Turm der Kasbah; Blaue Stufen; (2 Fotos) - Autor: Adrian Farwell" - "Garten in der Kasbah - Autor: HAJJI Youssef" - "...kleiner See in der Umgebung von Chefchaouen - Autor: Barhoun Fatima" unterliegen der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported und dürfen unter Beifügung dieser Lizenz weitergegeben werden.


 

Fotos aus Chefchaouen




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